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Trak Wendisch 
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BODENLOS

08. Juni - Oktober 2018

Sechzig Jahre sind ein Anlass! Im Rahmen seiner 12. Ausstellung in der Galerie Borchardt zeigen wir die neuesten Arbeiten von TRAK Wendisch.

Entstanden ist ein Zyklus an Bildern, der in seiner Assoziationsdichte gleichzeitig überwältigend und hoch aktuell daherkommt. Bildgewaltig. Große Malerei.

Gleichzeitig wird der Ausstellungsraum von neuen bildhauerischen Arbeiten eingenommen, die sich in ihrer Verortung zwischen Figuration und Abstraktion in das Werk des Künstlers einreihen und die Entwicklung der letzten Jahre auf ausserordentlich spannende Weise fortführen.

REDE ZUR ERÖFFNUNG
von Ulrich Kavka, Kunstwissenschaftler

Trak Wendisch | BODENLOS – Tafelmalerei und bildhauerische Arbeiten

Sehr geehrte Damen und Herren, lieber Trak,
den Bekanntheitsgrad des Berliner Zeichners, Malers und Bildhauers Trak Wendisch im kulturellen Umfeld der Galerie Borchardt zu erläutern hieße womöglich der Redewendung „Eulen nach Athen tragen“ zu folgen.    
Indessen: Der Schriftsteller Wolfgang Hildesheimer nennt in seiner  kleinen Geschichte „Ich trage eine Eule nach Athen“ bedenkenswerte Aspekte, die unsere vermeintlich in sich ruhenden Sachkunde hin und wieder durch philisterhafte Züge bloßlegen. So kann die seit alters her linguistisch gebrauchte klassische Assoziation, genauer besehen, auch ein Irrtum sein. Denn nicht die Schleiereule oder die verbreitete Waldohreule sondern der Steinkauz trägt den zoologischen Namen Athene noctua! Und so meint der Dichter gleich zu Beginn seiner Erörterung: „ Der Mensch weiß, dass ihn Gott nach seinem Ebenbild geschaffen hat, und er leidet darunter. Dem Tier sind Gleichnis und Vergleich fremd und es gewinnt seine animalische Würde aus eben der Tatsache, dass es noch nicht einmal die einfältigste Fabel über sich selbst kennt.“
Kauz hin Eule her. Ihre Vogelfamilie wird durch eine nachtaktive Räuberei geprägt. Und der diesbezüglichen Nachtsicht wegen redet man ihnen eine außergewöhnliche Klugheit nach, jedenfalls eine solche, die das künstlerische Ebenbild des Steinkauzes schon auf frühen antiken Geldmünzen verewigt hat. Doch im Text von Wolfgang Hildesheimer sagt der Tourist auf der Athener Akropolis: „Siehst du, Selma, die Bestätigung des klassischen Wortes, das es unnötig ist, Eulen nach Athen zutragen? Sogar auf dem Parthenon sitzen sie.“ „Es ist ein Kauz.“, erwiderte seine Frau.

BODENLOS lautet der Titel dieser Ausstellung. Und ich füge an: Die Vollendung ist kein Signum des Endes sondern des Anfangs.
„Man muss das Fliehende festhalten.“ So formulierte unlängst der Maler Trak Wendisch ein Credo seines Tuns und fixierte die Wahrnehmung der Realität als beständiges Werden und Wandeln. Er sprach dabei von optischen Wahrheiten, die wohl den eigenen Sinneseindrücken in der Liaison von Schauen und Denken nahe kommen. Von Belang wären, so empfinde ich das, eher die inneren Konstruktionen als die augenfälligen Hüllen und Oberflächen der mit größtem Interesse und scharfer Beobachtung beachteten sozialen, biologischen wie dinglichen Verhältnisse. Und angesichts zerstörter, kulturgeschichtlich bedeutsamer Städte im Nahen Osten (nomen est omen) stand schließlich die Frage im Raum: „Was machen eigentlich die Vögel im Krieg?“ Diese Äußerung gewinnt an Gewicht, wenn man weiß, dass sich der Maler beispielshalber um das leibhaftige, dauerhafte Dasein der Mauersegler (Apus apus)  in seiner unmittelbaren, großstädtischen Umgebung, im Wortsinn, tatkräftig kümmert! Die schnellen Vögel, die nicht von der ebenen Erde starten können, brauchen in angemessener Höhe höhlenartige Nist- und Brutplätze. Die durchweg zerbombten, fensterlosen Ruinenlandschaften schildert der Maler gleichnishaft als vielfache, reliefartige, unbewohnbare Einbuchtungen an vormals intakten Straßenfassaden. So gesehen wären diese malträtierten, schluchtigen Unorte vielleicht ideale Aufenthalte für die in Kolonien lebenden Segler, vorausgesetzt, der Luftraum bliebe rein, mehr oder weniger still und frei von fortlaufend angefachter Brandasche. Im Übrigen verfügen die Geschöpfe über die Fähigkeit, bei Nahrungsmangel in die Hungerstarre zu verfallen!
Ja, auch seine jüngsten Bilder nehmen Bezug auf die Menetekel der Zeit. Doch die andauernden menschlichen und natürlichen Verwerfungen verleiten ihn nicht zu abgenutzter, plakativer oder gar belehrender Bilderrhetorik. Aber sowieso ist eine darauf zielende, ja derzeit grassierende, eigentlich teilnahmslose Geschwätzigkeit dem Naturell des Künstlers absolut wesensfremd.
Doch alles Geschehen bleibt auch für ihn ein Akt der Balance: Standhaftigkeit oder – der Absturz links, der Absturz rechts?
Das gespannte Seil und der sich mühsam im Gleichgewicht haltende Mensch ist da eine der Metaphern. Doch die strapazierte Altertumsromantik vom frei zum All schwingenden menschlichen Wesen entspräche nicht der Härte seiner charakteristischen künstlerischen Handschrift. Zum einen. Und zum anderen? Mit seiner Arbeit zeitlos zu wirken, bedeutet, auch auf eine in jeder Zukunft andauernde Anwesenheit zu bauen – selbstredend also über die Saison der eher rasch vergänglichen medialen Aufmerksamkeit weit hinaus.
Die Verantwortung von Trak Wendisch im Bewusstsein des eigenen Wertes und der immer möglichen Irritationen über die Richtigkeit seines jeweiligen gestalterischen Handelns sind Gegebenheiten, die letztlich sowohl für den künstlerischen Sinngehalt als auch für dessen anspruchsvolle Beständigkeit bürgen. Lapidar ausgedrückt: Die Beherrschung seiner Mittel erschließt mit der Vollendung eines jeden Werkes immer wieder auch ein neues, ein anderes, ein mehr oder weniger gelungenes Stück eine Œuvres von beachtlichem Ausmaß. Freilich wäre es ein Missverständnis, wertete man die bislang geschaffenen plastischen und gemalten Themenfolgen in der Skala von Auf- und Abstufungen.
Künstlerarbeit ist kein Sportereignis.
Ich will das existentielle und substantielle Sein des Malers als einen eher geschlossenen, auf seine stilistische Eigenart bezogenen Kreislauf charakterisieren, wofür die sogenannten starken Verben dehnen, fließen, brechen sowie ordnen stehen könnten. Kraft, Richtung, Aufbau, Umarbeitung, Beständigkeit: Sein Formen und Verdichten ist fraglos eine schöpferische Reibungsarbeit in der Dreiheit von geistigem, körperlichem und gesellschaftlichem Widerstand, folglich von Kraftumwandlungen, verbunden mit einer Vervielfachung der Arbeitswege und schließlich mit den gültigen Werken als räumliche wie flächige Verformungen, als Ergebnis mentaler Verwandlungen. Das künstlerische infrage stellen der naturgegebenen Ausgangspositionen vollzieht sich rigoros in einer radikal veränderten Weise. Ja, es entspricht physikalischen Prozessen der Umbildung. Und es mündet im expressiven Ausdruck originärer Kunstwerke, deren Themen unter anderen zwischen der kriegerischen Zerstörung urbaner Behausungen, ziviler Selbstzertrümmerung in seltsam deformierten Autowracks und Anmutungen von wild gewachsenen Vegetationen wechseln. Ich kann auch sagen, das sich die Wesensart von Trak Wendisch den äußeren und inneren Reichtum solcher tatsächlichen Gegenüber bis ins Letzte zunutze gemacht hat, versteht man diese Gestaltfindungen als sich ereignende Solitäre im Spannungsbogen zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion.
Und fragte jemand nach dem Fortgang solchen scheinbar unentwegten, prozesshaften Wirkens, dann würde ich mutmaßen, dass der Maler, Zeichner, Plastiker und Bildhauer Trak Wendisch sich unablässig selbst erkundet, jenseits von Einebnungen durch das immer wieder Gleiche.
Hingegen: „Ein hohler Mensch pflegt bei jedem Wort starr dazustehen.“ Kolportiert wird diese Weisheit vom Philosophen Heraklit von Ephesos (etwa 540 – 480 v. Chr.), den man auch den „weinenden Philosophen“ nennt. Panta rhei – alles fließt.
Sehen was scheint – Fügen was ist.
Illusion und Wahrnehmung: offenbar nebenher gewuchertes Gestrüpp, florale Umschlingungen, knäuelhaft drahtige Verwicklungen, sezierende Innensichten, …
Vom optischen Vorbild her , ja. Vom künstlerischen Abbild her, nein. Vielmehr künden die Werke von Trak Wendisch zunächst aber von der elementaren Pflicht, nämlich vorranging und strikt das Wesentliche vom Zufälligen, vom Ungefähren der thematischen Motive getrennt zu haben. Sein Sinnen fokussiert sich folglich auf das dichte Netz seiner schaffenden Mentalität, genährt und getragen von einem starken Kraftfeld, für das Befähigung, Handwerk, Erfahrung, Spannkraft, Experimentierlust und Ausdrucksfreude schließlich als Energiequellen dienen. Bild für Bild formt sich ein stilistischer Eigensinn, der dem Sein Kontur und Statur, ja, einen stabilen Grund gibt. Die geschaffenen Welten sind Parallelwelten, kosmische Unendlichkeiten nahezu, durch Erlebnisse und Empfindungen gleichermaßen. Existenzen des Inneren, Tag- und Nachtstücke von Zeit zu Zeit, Charakterbilder eben, fraglos umgesetzt durch Farbe, Form und Abstraktion.
Dieses Tätigwerden mag man sich als selbstkritisch denkendes Handeln vorstellen. Und wer sich in die farbige Malhaut der Leinwände und die lineare wie körperliche Tektonik der bronzenen oder hölzernen räumlichen Objekte versenkt, wird rasch ahnen, dass sich der Gestalt suchend Arbeitsprozess über den spannungsvollen Bau hinaus mit unzähligen bildnerischen Details auseinandersetzen muss. Mit Partituren des Großen, Kleinen, Stillen, Lauten, Sanften, …, im Vorder- wie im Hintergrund. „Immer im Einzelnen nur hab ich das Ganze erblickt.“, schreibt Friedrich Schiller in seinem Gedicht „Das Ehrwürdige“.
Bekanntlich ist jeder Mensch ein Erbe: auch des Keimenden, des Wachsenden und des Absterbenden. Doch als bleibende, wesensgeprägte Zeugnisse vergangener und kommender Natur-, Individual- und Gesellschaftsformationen sind die Œuvers der Künstler, eben auch das Werk von Trak Wendisch, immer auch zeitnahe Interpretationen von bedeutsamer Beschaffenheit, die ganz und gar aus sich heraus Aufsehen erregen. Und nicht die monotone, also ergebnislose Widerspiegelung entspricht einer inneren, fantasievoll erfinderischen Sammlung, sondern jene Konzentration auf ideelle, persönliche oder zivile Bezüge zur Wirklichkeit. Gelegentlich wird mit Recht der Anspruch erhoben, dass Kunst sich vom Künden herleitet. Gewiss, das Feld der Möglichkeiten ist, so oder so, augenscheinlich vielfältig. Doch das Naturwüchsige wie das gegenständlich Geschaffene bedingen einander. Als Barrieren manchmal bei der Einverleibung unverfälschter Wuchs- oder metallener Schlagkräfte. Für die Empfindungen des Malers jedoch gewährt solche Wesensverwandtschaft unumgängliche Durchlässe. Hin zu Sehenswürdigkeiten, gleichsam als sichtbare formale und inhaltliche Bekundung auch seines schöpferischen Temperaments mit Eigenschaftsnähen zu Temperaturfühlern und Durchleuchtungsstrahlen.
Je nachdem von welchem Standpunkt oder Blickwinkel empfindet der aufmerksame Betrachter gleichermaßen Verinnerlichung wie Zurückhaltung. Ein herausfordernder Magnetismus der Formsprache von Trak Wendisch begründet sich im Überwinden solcher scheinbaren Dissonanz.
Erlauben Sie mir noch eine knappe Anmerkung: Es mag abwegig scheinen wenn man einen Sechzigjährigen, der sich seit über vier Dezennien mit ziemlicher Unnachgiebigkeit müht sein schöpferisches Dasein auf einer unverwechselbar selbstbestimmten Erkennbarkeit zu halten, mit sogenannten Lehrer-Schüler-Perspektiven konfrontiert. Doch zwei Persönlichkeiten, nämlich Prof. Dietrich Burger und Prof. Bernhard Heisig verkörpern mit ihren jeweiligen bildnerischen und charakterlichen Positionen nachgerade seismographisch eine gegensätzliche Spannweite, die sich mit Begriffen wie stille Verinnerlichung und weltläufiger Expressivität nur vage eingrenzen lassen. Aus meiner Wahrnehmung empfinde ich, dass die künstlerische Handschrift von Trak Wendisch sowohl die Tiefen der Stille als auch die Feuerzeichen geistiger Emanzipation sinnfällig vereint. Auch diese Eigenheit ist staunenswert.       

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit, herzlichen Dank. 

Ulrich Kavka
Kunstwissenschaftler



Begleitend zur Ausstellung erscheint wie immer ein Booklet.

















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