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Vivian Kahra



Biografie

1971in Braunschweig geboren
1992Studium Kunsterziehung, HbK Braunschweig
1993Studium Kunsterziehung, Christian-Albrechts Universität Kiel
1997Studium Freie Kunst, Muthesius Hochschule für Kunst und Gestaltung Kiel
2000Zweimonatiger Studienaufenthalt in Italien und auf Korsika
2001Lehrauftrag,CAU Kiel Fachbereich Kunsterziehung (Malerei)
Viermonatiger Studienaufenthalt in West Australien
2004 - 2005Lehrauftrag, Muthesius Hochschule, Kiel, freie Malerei
Herbst 2005 Umzug nach New York
2005Stipendium des Landes Schleswig-Holstein, Künstlerhaus Eckernförde

Vivian Kahra lebt und arbeitet in New York.


Ausstellungen [Auswahl]

2009 'SNOW SPACE', Rockland Center of the Arts / New York
2007 ‚Inner Movies’ Galerie Peter Borchardt, Hamburg
Kunstverein Wolfenbüttel
2006 ‚Night of 1000 Drawings’, Artist Space, New York ‚Art Cologne’, Galerie Peter Borchardt, Hamburg
‚Objects in mirror are closer than they appear’, Kunstverein Kunst & Co, Flensburg (E)
‚Freeze’, Kunstverein Rügen, Putbus (K)
2005 ‚Bin im Garten’, weltbekannt e.V., Hamburg (E)
‚Woran wir glauben glauben wir’, Foyer für junge Kunst, Flensburg (E)
‚Time to say goodbye’, Schleswig-Holsteinisches Künstlerhaus, Eckernförde
‚Kunstflecken – Preis’, Papierfabrik, Neumünster
‚Gottfried Brockmann Preis’, Stadtgalerie Kiel (K)
2004 ‚Schön weit weg von hier’, Kulturreferat, Lüneburg
‚Landesschau Schleswig-Holstein’, Ernst-Barlach-Museum, Wedel (K)
2003 ‚Das habe ich gesehen’, Galerie Wonneberger, Kiel (E)
‚Gottfried Brockmann Preis’, Stadtgalerie Kiel (K)
Kunstpreis ‚Junger Westen’, Kunsthalle, Recklinghausen (K)
2002 ‚Je 4 Bilder’, Corvus Gesellschaft, Berlin
2001 ‚Sequenzen’, Produzentengalerie Prima Kunst, Kiel
‚Lichtbildprojekt’, Art agents Galerie, Hamburg
‚Konsumenta’, Kunst im Merkurhaus, Kiel
2000 Palazzo Picolomini, Pienza, Italien
1999 ‚Leichte Horizonte’, Kunstraum Helle Zelle, Kiel (E) (E) Einzelausstellung, (K) Katalog


„Ich zeige in meinen Bildern Außenräume als mentale Innenräume. Mentale Innenräume sind nicht von Dauer.“
Vivian Kahra, März 2006

Momente der stillen Aufregung
- Anmerkungen zu den Bildern Vivian Kahras -

Die Bildwelten Vivian Kahras machen dem Betrachter ein verlockendes Angebot. Er ist eingeladen, sich in ihnen aufzuhalten, umzusehen, etwas zu entdecken. Sie geben dem, dessen Blick aus einer hektischen Alltagsrealität in sie hineinfällt, eine angenehme Empfindung. Gezeigt werden Außenräume – der Blick kann weit in sie dringen, sich im Nichts verlieren. Diese Räume suggerieren Übersicht, Tiefe und Fluchtmöglichkeit. Ihr Farbspektrum entzieht sich dem der grellbunt angepriesenen Warenwelt. Kühle, zarte Grüntöne werden mit einem Pastellspektrum gegen schwarze Tiefen und weiße Höhen gesetzt. Ein leuchtendes Fluidum, ein phosphoreszierender Widerschein durchwirkt die Szenerien; eine Schimmerwelt, in der man sich gern aufhält; vielleicht, weil man die auf den Bildern dargestellten Szenen der Einsamkeit heutzutage schon als schätzenswert begreift. Für eine Schnappschusslänge geht die Verlorenheit Hand in Hand mit dem Glück; allein und fern in die Landschaft eingeschobene Figuren, oft Sportler, erscheinen aus einem Action-Moment herausgerissen. Das Abbild ihres Erlebnishungers gerät zu einem Augenblick der Besinnlichkeit; der Mensch geht in der Landschaft auf, wird eins mit ihr, in diesem Moment der stillen Aufregung. Fehlt der Mensch als direkte Erscheinung im Bild, so führt doch immer eine Spur zu dessen Anwesenheit. Der Betrachter kann stellvertretend für die absente Bildfigur deren Platz einnehmen und so noch unmittelbarer die Bildinformation erfahren. Kühn wird diese Information sofort wieder kommentiert, indem sie in Frage gestellt und konterkariert wird: durch weiße Flächen, Flecken, Leerstellen, Löcher, die den Eindruck einer fertigen Unfertigkeit hervorrufen. Die Bilder verschweigen ihre Blessuren nicht, im Gegenteil, sie tragen oft das Stückwerk, aus dem sie entstanden sind, offen zur Schau: Die Bildgegenstände scheinen organisch in das Bild hinein- und wieder herauszuwachsen. Dieser Vorgang verläuft nicht ohne Reibungen: hier wurde ebenso gezeichnet, aquarelliert, in Öl gemalt, gesprayt – wie wegradiert, übermalt, verwischt, verworfen, geschnitten und geklebt. Hier wurde mit Bildern in einem Bild gelebt. Sind mit oben genannten Bildkonstanten gewisse Qualitäts- und Kontrollinstanzen für den Schaffensprozess benannt, so ist der Akt des Geschehenlassens ebenso elementarer Teil von Vivian Kahras Bildschöpfungen. Durch die Einbeziehung des Zufalls erhalten die Arbeiten eine Komponente von Impulsivität und Freiheit, erweitern jeden Formenkanon. Im gehaltenen Schwebezustand aus Suchen und Gefundenhaben offenbart sich ein ausgetüfteltes Kalkül: zwischen Information und Nicht-Information erscheint ein Zusatzraum, der bereit ist, die Gedanken der Betrachter in sich aufzunehmen. Die präsentierte Vielschichtigkeit der unwirklichen Wirklichkeit, die Verbundenheit von Natur und aktivem Empfinden in ihr, die entrückte Farbigkeit, das mittig zwischen Sprechen und Schweigen eingependelte Waagenzünglein, die zum Selbsthineindenken anregenden Löcher, Leerstellen und weißen Flecken ermöglichen eine Spannungsaufladung, die über die Rahmengrenze hinausscheint. Vivian Kahras Bilder tragen die Glücksutopie in sich, Menschen in Landschaften aufgehen zu lassen. Doch der Preis dafür ist offenbar: Wer will, kann den Abschied von jedweder Geselligkeit auch als Ausdruck von Vereinsamung lesen, als menschenfeindlich und nicht erstrebenswert. Ein kühler Windzug wird spürbar. Eine nahe Jenseitigkeit.

Arne Rautenberg, Schriftsteller, Kiel
Katalogtext, Gottfried-Brockmann-Preis 2005
© s. Impressum



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