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Rik van Iersel
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'Scribble for Life'

Arbeiten auf Papier  
19. März - 15. Mai 2004

Expressionistenpunk und Mummenschanz:
Rik van Iersels kakophonische Kunst

Rik van Iersel liebt das Kleinteilige, Hineingeklebte, die Restposten des Alltäglichen in der Kunst. Fast alles wird zu Kunst gemacht: eine alte Hotelrechnung, ein mit Schreibmaschine geschriebener Brief, Notenblätter - alles wird aus dem Zusammenhang gerissen und eingemacht. Bunt lacht es von den großen und kleinen Ölbildern, Collagen, Gouachen, Karikaturen und Filzstiftkritzeleien. Doch genauer betrachtet zeigt van Iersel nichts anderes als das Chaos der Welt, das sich der Eindhovener als Stilmix zu eigen macht. Trash-Comics, Postpunk-Plakate, Copy-Art, Art Brut, Surrealismus, die jungen Wilden und auch die grafischen Gesten Cy Twomblys vereint der Holländer im grellen Miteinander. “Alle Kunst ist Wiederfinden” sagt Rik van Iersel. In einem Satz: die Welt als Irrenhaus.

“Blackpool Pleasure” steht auf einer der großen Malereien van Iersels, auf einer anderen “I Heard The News Today”, “Perplex” oder “Never Aim The Air Gun At People!” - und man merkt dem Holländer mit der Kinderschrift an, dass er lange Jahre Comics gezeichnet hat und in Punkbands mit Namen wie “Der junge Hund” spielte. Van Iersel, so scheint es, zweifelt an der Realität, vielleicht leidet er auch an ihr - doch in der Collage des Disparaten, in der alten Idee der Surrealisten findet er sein Glück, in der ständigen Überlagerung immer neuer, aufgeklebter, gemalter und gekritzelter Schichten.

Frisch mutet der Krickelkrackel-Gestus des 1961 in Maastricht geborenen van Iersel an, der auch in diesem Jahr wieder eine Gastprofessur an der Sommerakademie Pentiment innehat und auf beinahe allen internationalen Kunstmessen zu sehen ist: seine Masken mit Knopfaugen und Schweinenasen, seine spickzettelgroßen Trash-Capriccios, die er seit seiner Kindheit malt, seine Totenköpfe und Pfeile, die immer wieder auftauchen - Expressionistenpunk und Mummenschanz, Basquiat, Twombly und Dubuffet in einem.

Vor zwei Jahren hat er gemeinsam mit seiner Hamburger Galerie Borchardt und der Kunsthalle Osnabrück das Buch “The 27 Points” herausgegeben, benannt nach einem Album der englischen Band “The Fall”. Doch Iersels Kunst ist nicht ganz so düster wie das böse Grummeln der “Fall”-Musik. Wenn man sie vergleichen will, denkt man unweigerlich an Basquiat, der wie van Iersel überzeugter Autodidakt war. Mit 15 Jahren verließ van Iersel die Schule, um die Kunst zum Beruf zu machen. Seinen Eltern erklärte er damals, er hätte einfach keine Zeit mehr, zur Schule zu gehen.

Viele Parallelen gibt es zum Werk von Basquiat, doch van Iersel steht nicht am Abgrund wie der New Yorker Malerstar der achtziger Jahre. Und auch wenn seine Kunst bisweilen wie ein Boxhieb wirkt, Wut, Zorn und Authentizität immer im Spiel sein müssen: Van Iersels visueller Spieltrieb ist zu groß, um an der Welt kaputtzugehen. “Ich wollte immer ein Comic-Zeichner werden”, sagte van Iersel in einem Interview mit Isabelle Hofmann, “nur für die Sprechblasen gab es oftmals keinen Platz mehr.”

So ist van Iersels Kunst vor allem grenzenlose Phantasie und Freiheit, die jeden Tag aufs neue erstritten werden will. Eine immer sprudelnde Quelle neuer Bildideen, die auf dem kleinsten Stück Papier oder auf Riesenformaten Platz finden. Van Iersels System kennt keine Grenzen, vor allem keine Grenzen der Medien: Film- und Videoprojektionen eigener kleiner Trickfilme, die sich aus Zeichnungen entwickeln, gehören ebenso zu van Iersels Kunst wie die eigene Musik, die er im Rahmen von Festivals und Ausstellungseröffnungen mit verschiedenen Besetzungen und Gastmusikern spielt. So entsteht eine hektische Kakophonie aus Filmbildern, Malerei, Zeichnung und unzähligen schrägen Tönen und Klängen, die sich immer mehr zu einer mutimedialen Collage verdichten. “So entsteht eine ganz neue Malerei”, sagt Rik van Iersel.

Rik van Iersels Kunst, die in New York und San Francisco von der Galerie Caldwell Snyder vertreten wird, ist in den kommenden Monaten an verschiedenen Orten zu sehen: Die Hamburger Galerie Peter Borchardt zeigt unter dem Titel “Scribble for Life” vor allem Papierarbeiten, die Kunsthalle Wilhelmshaven mit “Tranparency” erstmals auch transparente, projizierte und bewegte Bilder. Das Venloer Museum van Bommel van Dam ist die dritte Station des Gemeinschaftsprojekts. Zu den Ausstellungen erscheint im Herbst ein umfangreiches, gemeinsam herausgegebenes Katalogbuch.

Marc Peschke


Aktuelle Ausstellungen

19.03.-15.05.: Galerie Peter Borchardt: Rik van Iersel: “Scribble For Life”
21.04.-26.04.: Kunst Köln
07.05.-10.05.: Art Frankfurt
26.09.-28.11.: Kunsthalle Wilhelmshaven: Rik van Iersel: “Tranparency”
10.12.- Februar 2005: Museum van Bommel van Dam, Venlo: Rik van Iersel

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