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Bodo Korsig
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'Present and Past'

Holzschnitt und Objekte
01.10. - 08.11.2003

Bodo Korsig ist seit Jahren bekannt für seinen zeitgemässen Umgang mit der tradierten Technik des Holzschnittes und wird regelmässig zu Ausstellungen und Symposien in aller Welt geladen.

Während der frühe Holzschnitt bis ins 19. Jahrhundert hinein durch den Charakter der gedruckten Linie geprägt war (schwarz auf weiss, bzw. weiss auf schwarz), hat sich Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts der flächige Holzschnitt durchgesetzt. Besonders bei den Expressionisten war der Einsatz der Fläche mit den Maserungen des Holzes oder den sichtbaren Bearbeitungsspuren verbreitet. Daraus entwickelte sich dann der aufwändige, aber eindrucksvolle Farbholzschnitt.

Anders als seine bekannten Vorgänger schafft Bodo Korsig mit seinen Holzschnitten keine fabulierenden Bilder, sondern er setzt mit seiner Arbeit an der heutigen Sehweise an. Wir finden bei ihm eher die Andeutung konkreter Formen, als das ausformulierte Bild. Die Abstraktion wird teilweise von einer typografischen Lösung begleitet und bisweilen auch von ornamentalen Strukturen unterstützt.

Dabei bleibt er immer flächig und expandiert die Bildformate bis auf Masse von mehreren Metern. Mitunter sind seine Arbeiten nicht mehr mit den herkömmlichen Pressen zu drucken, sondern er muss Strassenwalzen zu Hilfe nehmen. Ungewöhnlich ist auch, dass er mit Ölfarbe auf Leinwand druckt und diese dann auf 5 bis 10 Zentimeter tiefe Rahmen aufblockt. Damit verleiht er den Arbeiten von vornherein etwas objekthaftes.

Dieses Prinzip findet bei seinen Wandinstallationen und Skulpturen seine Fortsetzung. Er löst quasi den Strich aus seiner Umgebung und entlässt ihn in den Raum, mal als schwarz lackiertes Holz - und neuerdings auch als keramisches Raum-Objekt.

Dadurch gelingt ihm eine sehr geschickte Dualität von flächiger Gestaltung und räumlicher Wirkung. Im Rahmen unserer Ausstellung werden sich diese beiden Aspekte gegenüberstehen und entfalten.

Thematisch ist Bodo Korsig ein Forscher, und zwar auf dem Gebiet der Neurologie. Im weitesten Sinne geht es ihm um das Phänomen der sinnlichen Wahrnehmung - deren Technik und Auswirkung. Diese Auseinandersetzung findet schon seit einigen Jahren in seinen Arbeiten, und insbesondere in seinen hervorragenden Künstlerbüchern ihren Ausdruck.

Bodo Korsig arbeitet in diesem Zusammenhang buchstäblich grenzüberschreitend. Regelmässig verlässt er das Feld der Künste, um in wissenschaftlichen Instituten und Forschungseinrichtungen zu recherchieren, sich über den neuesten Stand der Forschung zu informieren - und wie gerade mit einem neurowissenschaftlichen Forschungsteam der Columbia University New York - zu kooperieren.

Der gegenseitige Nutzen wurde von den Wissenschaftlern schnell erkannt, denn gerade die künstlerischen, d.h. die nicht zwangsläufig rationalen Reflexionen können unter Umständen neue und tiefere Einblicke in die Wahrnehmungstechniken des Menschen eröffnen. In diesem speziellen Projekt geht es um die verschiedenen Wahrnehmungszentren des Gehirns und deren Funktion. Im Vordergrund steht hierbei die Komplexität des Zusammenspiels der Nervenzellen als kleinste Einheit und der verschiedenen Hirnregionen.

Bodo Korsig stösst mit seinen Fragen nach der Identität der Persönlichkeit und der Problematik der künstlichen Einflussnahme an die Grenzen von Philosophie und Wissenschaft. Allein der Titel einer seiner jüngeren Arbeiten 'Where Can I Bye a New Brain?’ offenbart die Problematik in ihrer Tragweite. In einem Zeitalter, in dem nahezu alles kaufbar sein soll, tut sich hier das Paradoxon auf, inwieweit Persönlichkeit und Gehirn identisch sind?

Hinter dieser Frage steht nicht nur die vordergründige Problematik der Käuflichkeit oder Nichtkäuflichkeit, sondern auch des Sinns eines solchen Unternehmens.

Alle möglichen Organe können mittlerweile erfolgreich transplantiert werden. Die Verpflanzung eines Kopfes hingegen ist nicht nur eine besonders gruselige Vorstellung, sondern sie funktioniert zum Glück auch nicht. Die oft zitierte, und seit der Aufklärung postulierte Trennung von Geist und Körper ist nach neueren Erkenntnissen nicht so eindeutig, wie bisher angenommen. Wie man jetzt weiss, bedingen sich Geist und Körper - in ihrer Entwicklung voneinander lernend - soweit, dass sie nicht beliebig kombinierbar sind. Wenn wir uns ein Bild von einer Person machen, betrachten wir deren Wesen, Sprache, Aussehen etc. schliesslich ebenfalls als Einheit. Das gelingt uns selbst dann, wenn uns das Wesen des Betreffenden fremd ist.

Wir haben es also mit hochkomplexen Prozessen zu tun, die nicht ausschliesslich wissenschaftlich erschlossen werden können. Bodo Korsigs Arbeiten können uns die Faszination, die hinter diesen Fragen stehen, näher bringen

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BODO KORSIG
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