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Gesine Rothmund
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'Liebe Mich!'

Skulpturen aus Holz und Keramik
22. Maerz - 20. April 02

Medien: Hamburg 90,3 (NDR), 25.3.02

Gesine Rothmund:

Oberflächliche Schönheit begegnet uns bei der Betrachtung der eigenartig lebensechten Figuren von Gesine Rothmund nicht. Stattdessen schafft sie mit ihren Skulpturengruppen eine ungemein skurrile Atmosphäre, der sich niemand wirklich entziehen kann. Man ist sich nicht sicher, ob man die jeweilige Type schon irgendwo gesehen hat - im Zweifelsfall vor dem eigenen Spiegel - oder ob man ihr vielleicht lieber gar nicht begegnen möchte. Auf jeden Fall kommen Sie einem sehr bekannt vor.

Das liegt einerseits daran, dass Gesine Rothmund eine sehr gute Beobachterin ihrer Mitmenschen ist - und andererseits an der geradezu beängstigenden Konsequenz, mit der sie das bildhauerisch umsetzt. Sie beschränkt sich hierbei keineswegs auf Holz, welches sie nach der Bildhauerei malerisch gestaltet. Wenn es sich anbietet, arbeitet sie auch mit Keramik. Das ist nahe liegend, da sie von all ihren Skulpturen vorher winzige Tonmodelle herstellt.

Ihr Gestaltungswille beschränkt sich nicht auf die einzelnen Figuren, sondern auch auf die Art, wie sie sie gruppiert und positioniert. Die Situationen, die sie auf diese Weise schafft, haben dann in ihrer Plastizität und Lebensnähe oft etwas theatralisch übernuanciertes – vielleicht ein bisschen von dem, was einen auch an Johannes Grützkes Bildern so fesselt und fasziniert: ein Stück echten Lebens.

Tatsächlich ist es wohl gerade das Schräge an Gesine Rothmunds Skulpturen, das sie so lebendig erscheinen lässt. Besonderen Wert legt sie dabei auf den Blick der gemalten Augen, mit dem uns ihre Figuren begegnen und viel von sich preisgeben. Man kann in ihnen lesen, wie in einem offenen Buch und keine menschliche Regung scheint den Kunstfiguren fremd zu sein: Neid, Zuneigung, Schalk, kurzum die ganze Palette menschlicher Lebensäußerung. Je nach persönlicher Konstitution ist man wechselweise ergriffen, angerührt oder fühlt sich einfach ertappt. Die Wirkung der realistischen Gestaltung der in Öl gemalten Skulpturen lässt einen dabei fast die roh bearbeiteten Holzoberfläche übersehen.

Schon bevor Gesine Rothmund mit der handwerklichen Arbeit beginnt, erdenkt sie mögliche Konstellationen der Figuren, und das mit Vorliebe unter Einbeziehung der räumlichen Situation. Die Skulpturen schauen einem geraden Auges als Empfangskomitee entgegen, reichen die Hand, oder luken hinter einer Ecke hervor. Sie machen es wie wir, nur viel besser, weil sie es schaffen, dass wir mal wieder richtig hinschauen, wenn wir unseresgleichen begegnen.

Hierfür muss Gesine Rothmund riesige Volumen an Holz und Material bewegen, sägen und behauen. Sie weiß sich mit Gabelstapler, Flaschenzug und Kettensäge bestens zu behaupten. Wer sie dann zu guter Letzt neben der fertigen Figur stehen sieht, fragt sich unwillkürlich, wie diese eher zarte Person das schaffen konnte?

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GESINE ROTHMUND
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