Logo Galerie Borchardt
Galerie Künstler Ausstellungen Aktuell Kataloge Kunst am Bau
Bodo Korsig
 more




'Du verwirrst mich!'

Holzschnitt und Objekte
27.01. - 17.03.2001

Leben der Formen

... Bodo korsig ist Bildhauer, und auch in seinen Zeichnungen, Malereien und Holzdrucken bleibt die Logik des Bildhauers erkennbar. Kraftvolle, nahezu schwarze, abstrakte Formen sind sorgsam zu Kompositionen angeordnet, wie freistehende Skulpturen im Raum oder Reliefbilder an der Wand. Elegant spannt sich ihre (tragende) Oberfläche von einer Seite zur anderen, oder sie balancieren vorsichtig im Rahmen, so als lehnten sie frei in der Luft...

Bei allen Arbeiten sind die Formen durchgehend in solch klare, oft symmetrische Arrangements gebracht. Einzelformen sind häufig zentriert. Und der Hintergrund bleibt Hintergrund, unabhängig davon, wie gross sein Anteil an der sichtbaren Fläche ist. Es gibt keine ambivalente Beziehung zwischen Form und Hintergrund, keine illusionistischen Spiele an den Nahtstellen, wie etwa bei Jasper Johns´ "Cups" oder Picassos Profiles, bei denen in der Illusion - und das ist alles - das Positiv zum Negativ wird und umgekehrt. Bodo Korsig liebt die Mehrdeutigkeit, aber er geht buchstäblicher, konkreter damit um: er verlegt sie in die Identität seiner eindringlichen, eigenständigen Figuren, die oft an Alltagsobjekte erinnern und oft, wie Korsig freimütig zugibt, von diesen inspiriert sind.

Zurückgelassene, kaputte Objekte. Wenn er durch die Stadt streift, fotografiert er ihre industriellen Schatten - ausdrucksvolle, potenziell unerklärliche Konturen, die vielleicht an Formen aus seinen früheren Arbeiten erinnern und die im weiteren Schaffen Solidität und eine eigenständige Identität gewinnen werden, fernab der Strukturen, von denen sie inspiriert wurden. Oder er zeichnet weggeworfene Dinge - die verformte Plastikverpackung eines Six-Packs etwa, oder die Griffe einer Kiste, oder Farbrollen ohne Rollaufsatz - namenlose Dinge, nur benannt in der Nomenklatur einer spezialisierten Industrie. Indem er sie abstrahiert, erfüllt er sie mit neuem Leben - und es ist ein gänzlich neues Leben, das im Ungewissen lässt, was zuerst da war, aus was die Formen einmal entstanden sind. Eine zufällige Ähnlichkeit mag es dem Betrachter ermöglichen, ihre materielle Inspirationsquelle ausfindig zu machen, dies allerdings immer mit einem Fragezeichen versehen.

Trotzdem ist man beim Betrachten unweigerlich versucht, sie mit irgendetwas zu vergleichen, denn ein Betrachter hat immer das Bedürfnis, in solchen Abstraktionen eine Figur vor einem Hintergrund zu sehen - ein Bedürfnis, das Korsig letzten endes unterläuft. Auch in den gegenständlichen Tendenzen seiner Formen sind spielerische und drastische Deutungen gleichzeitig möglich. Eine häufig wiederkehrende Form errinnert an ein harmloses Spielzeug - ein Jojo vielleicht, oder einen Flaschenzug, über dessen Rolle Seile laufen, - aber es könnte auch eine Gasmaske sein...

Eine unheimlich gekrümmte Gestalt ist vielleicht nichts weiter als ein Elektrostecker, aber Korsig rückt sie nicht in die Nähe von Oldenburgs Surrealismus, bei dem auf den Prozess des Abstandnehmens ein blitzartiges Erkennen folgt. Durch das Erkennen von Formen - letztendlich das Erkennen dessen, was sie nicht sind, wie bei Oldenburg - ist nicht erklärt, warum Bodo Korsigs Arbeiten so andersartig wirken. Korsigs Formen lassen sich nie wirklich festlegen. Sie treiben ihr Spiel, versprechen scheinbar, so zu sein; doch dieser Eindruck wird durch ihre tatsächliche Distanz zur beruhigenden Welt der Realität immer wieder zurückgenommen. Sie beschwören Dinge herauf, um gleichzeitig die Vergeblichkeit dieses Vorgangs zu verdeutlichen. Korsig, so sagt er, sucht nach Formen, die widersprüchliche Empfindungen hervorrufen: kalt / warm, einfühlsam / brutal. Indem er diese sinnlich-emotionalen Gegensätze aufstellt, führt er eine gesicherte Interpretation ad absurdum und verschafft seinen Formen ein eigenständiges Leben, eine Fremdheit, die den Betrachter verwirrt und gleichzeitig seinen Blick verführt....

... Nicht die zufälligen Ähnlichkeiten lassen beim Betrachten von Korsigs Werk so gegensätzliche Eindrücke aufkommen, sondern die Qualität und Beschaffenheit seiner Formen, unabhängig von ihrer assoziativen Anlage. Zum Teil resultiert dies aus der Absolutheit des Kontrasts von Form und Hintergrund...

Doch dieses Vertiefen in den Kontrast kann nicht die alleinige Erklärung für den besonders emotionalen Tenor von Korsigs Arbeiten sein. Schliesslich basiert das rationale, formalistisch distanzierte Werk Ellsworth Kellys auf radikalen Kontrasten. Und tatsächlich kontrastieren in Korsigs Arbeiten keine völlig makellosen Flächen. Es genügt ihm nicht, die Oberflächen einfach zu belassen. Bei seinem Holzschnitt ist der Druckstock von heftigen, kreuz und quer verlaufenden Schnitten durchzogen, die dem Druck eine netzartige Struktur verleihen. Und in den vergangenen Jahren, in denen er in New York mit Garner Tullis arbeitete, hat Korsig eine Serie von enkaustischen Zeichnungen. Malereien und Reliefs geschaffen, bei denen er schichtweise heisses, mit Farbpigmenten versetztes Wachs aufträgt, das er dann zerkratzt, um die darunter liegenden Schichten sichtbar werden zu lassen...

Auch das Spannungsfeld, das Korsig zwischen der skulpturalen Solidität seiner Formen und ihren bewegten, zarten Umrisslinien anlegt, ist instabil. Es gibt keine klaren Begrenzungen. Die Verwandlungskraft dieser Umrisslinie verleiht den Formen ... etwas Unheimliches... Korsig provoziert eine Begegnung mit dem unverfälschten, expressiven Leben der Formen, die unabhängig von unterschiedlichen Interpretationsweisen in ihrer körperlichkeit den Betrachter körperich anrühren.

Faye Hirsch
(Textauszüge aus dem Katalog "Fate-Encaustic Paintings", Goliath Verlagsgesellschaft mbH, Frankfurt/Main)


© s. Impressum



BODO KORSIG
................................

Biografie
Ausstellung | 08
Ausstellung | 06
Ausstellung | 03
Ausstellung | 01
Presse









Bodo Korsig, "Du verwirrst mich!", 2000
Hozschnitt, Oel auf Leinwand, 27 x 100 cm




Bodo Korsig, "Ich Blut", 2000
Hozschnitt, Oel / Leinwand, je 31 x 31 cm




Bodo Korsig, "Obsession", 2000
Hozschnitt, Oel / Leinwand, je 30 x 200 cm




Bodo Korsig, "Ortswechsel", 2000
Hozschnitt, Oel / Leinwand,55 x 39 cm




Bodo Korsig, "Fate", 2000
Hozschnitt, Oel / Leinwand,140 x 140 cm




Bodo Korsig, "Verschmelzung", 2001
Hozschnitt, Oel / Leinwand, 140 x 100 cm