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Rainer Fetting
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'Fifty Years'


Malerei, Zeichnungen, Grafik, Skulpturen  
11.12.99 - 13.02.2000


Kunst braucht ein ganzes Leben Rainer Fetting stellt in der Galerie Borchardt aus


Von URSULA HERRNDORF
Hamburg - Die wilden Zeiten sind vorbei. Lange schon. Längst bäumen sich die Körper nicht mehr in ekstatischer Lebensveräußerung auf den riesigen Leinwänden, stechen Arme wie Pfeile aus einem dramatisch grellen Farbenmeer. Rainer Fetting verschleudert seine Kraft nicht mehr. Er bündelt sie in Farbwerken von unglaublicher Intensität. In einem hell leuchtenden Gelb schwankt ein Rapsfeld, Sonnenblumen verblitzen ein betörendes Licht, und Zitronen versprühen gelb und grün ihre unverbrauchte Frische.

Erstmals ist in Hamburg nun eine Einzelausstellung - "Fifty Years" -mit Werken des Ex-Jungen-Wilden zu sehen. Zu seinem 50. Geburtstag zeigt die Galerie Borchardt in einer großen Übersichtsschau rund 80 Gemälde, Lithographien, Aquarelle und Skulpturen des Malers aus der Zeit von 1983 bis heute. Kühl glitzernde Stadtansichten von New York sind darunter, einige Akte aus der "Desmond"-Reihe und zwei der bisher noch nie ausgestellten "Halloween"-Gemälde. Die wohlig-gruseligen Partys waren einer der ersten Eindrücke, die der Berliner Maler bei seinem Eintreffen in New York aufschnappte. Entstanden sind Bilder, in denen auf dunklem Hintergrund das Feuer der Farben dämonisch aufleuchtet. Das war 1983. Inzwischen ist der in Wilhelmshaven geborene Künstler wieder nach Berlin zurückgekehrt. Und malt die norddeutsche Heimat.

"Die Rapsfelder in der Mark Brandenburg habe ich zum ersten Mal gesehen, nachdem die Mauer gefallen war", erzählt er. Plötzlich hatte Berlin ein Umland, und der Eindruck der leuchtend gelben Weite war umwerfend. Was manchem als Symbol der Freiheit gelten mag, für Fetting gilt als Erstes die Malerei. "Manchmal ist es eine Auseinandersetzung mit Kunstgeschichte, manchmal eine Auseinandersetzung mit Farbe." Früher ließ er van Gogh an der Mauer entlangspazieren - heute malt er Sonnenblumen. Bis auf das Motiv aber haben sie wenig mit den Bildern des Idols gemeinsam.

Auf der ungrundierten Leinwand flirrt und flackert die Farbe, als habe sie alles Licht getrunken. Eine ungeheure Sehnsucht nach Glück und Leichtigkeit - getragen von der Leere der grauen Fläche - dringt hier nach außen. "Blumensträuße male ich, wenn die langen grauen Tage anfangen", erzählt er. Und der Mensch Rainer Fetting? Es scheint, als habe er den Bildern seine ganze Energie und Kraft gegeben. Schmal, scheu und vorsichtig steht seine Erscheinung im äußeren Widerspruch zum Werk. Das ist kein selbstbewusster, kraftstrotzender Maler, sondern ein verletzlicher Mann. Eingehüllt in einen grauen Wollmantel, gibt er bereitwillig Auskunft, lächelt aber nur zum Abschied.

"Ich war immer schon ein bisschen depressiv, nicht zugänglich genug und deshalb nicht gut zum Vorzeigen in der Kunstwelt geeignet", meint er. Ein Handicap, das ihn zwar nicht um den Erfolg, aber doch um die endgültige Anerkennung gebracht hat. "In deutschen Museen bin ich nicht sehr gefragt gewesen." Um die anderen Berliner "Jungen Wilden" - Bernd Zimmer, Helmut Middendorf, Luciano Castelli und Salome´ - mit denen Fetting 1977 am Moritzplatz eine Blitzkarriere startete, ist es allerdings wesentlich stiller geworden. "Wir sind damals hochgepuscht worden", sagt er. "Aber Kunst braucht ein ganzes Leben. Mit der Zeit verfliegen die Eitelkeiten." Und was damals von Vorteil war - die frech auftrumpfende Gruppe - , ist heute ein klebriges Klischee. "Jeder von denen ist ein Individualist", betont Fetting. Und er selbst "will nicht mit Middendorf über einen Kamm geschoren werden".

Für Rainer Fetting hat der Spaß aufgehört. Und wenn er sagt, Kunst sei für ihn existenziell, so glaubt man ihm das aufs Wort. Am 31. Dezember wird Rainer Fetting 50 Jahre alt. Er wird dann wahrscheinlich allein sein, im Atelier in New York. Das Datum interessiert ihn nicht im Geringsten. Aber: "Jedes Bild ist eine neue Sensation."

© s. Impressum



RAINER FETTING
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Biografie
Ausstellung | 05
Ausstellung | 03
Ausstellung | 01
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Kataloge
Movies
Presse


"HALLOWEEN”, 1983
ÖL AUF LEINWAND, 229 x 183 cm
AUSSTELLUNGSPLAKAT 59 X 84 CM





"HALLOWEEN (SABINE AND PUMPKIN)”, 1983
ÖL AUF LEINWAND, 183 x 229 cm





© R. Fetting, 'Kopenhagen Turm’, 1996
Öl/Leinen, 230 x 150 cm








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