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P. Iblher | H. Spiess
 




'Visuelle Recherchen'

07.08. - 13.09.1998

Der Berliner Künstler Peder Iblher verfolgt mit seinem Projekt "tunguska index" eine Strategie der Bearbeitung vorgefundenen Bildmaterials. In seiner Serie "LIFE IN THE COCOON" bestand dieses Material aus alltäglichen Räumen, die nüchtern abfotografiert und in ihrer eigentümlichen Schön-Hässlichkeit als zentrales Bildmotiv stehengelassen wurden. Korridore, Wartezimmer, Hotelzimmer, Toiletten, Picknickanlagen, eine Geburtsstation, ein Leichenschauhaus - Orte, an denen jahrzehntelanger Alltag seinen Geruch hinterlassen hat, die täglich gereinigt werden, erlebt, durchlitten. Überlagert werden die Bilder von Textfragmenten über menschliche Mechanismen der Schmerzvermeidung, das Hindurchgehen durch- und somit Überwinden von Leid. Die gezeigten Räume bilden die Kulisse und gleichzeitig den Kondensationspunkt dieser Erfahrungen.

In "DER PALAST" geht es um ein fiktives Netzwerk klandestiner Bauten. In geometrischer Klarheit stehen sie allein auf weiter Flur. Was als Goldlager, Gefängnis, militärische Vorrichtung oder Produktionsstätte, kultisches Gebäude oder wissenschaftliche Forschungsstation errichtet wurde, wird hier auf seinen Grundkörper reduziert und in ein neues, eigentümliches Licht getaucht. Bilddokument und ideales Modell verschmelzen zu einer unwirklichen, totalitär anmutenden Architektur, die einzelnen Bauten wiederum zu einem unheimlichen Komplex. Dieser will weniger eine Verschwörungstheorie postulieren als den übergreifenden Zusammenhang von Form und Inhalt thematisieren. Nebenbei wird sichtbar, wie mächtig und kindisch zugleich die technokratische Phantasie der Menschen an´s Werk schreitet.

Ein gemeinsames Leitmotiv verbindet die in dieser Ausstellung zusammengefassten Arbeiten der beiden Künstler Hendrik Spiess und Peder Iblher:

Sie behandeln einen dokumentarischen, nüchternen, sogar teilnahmslosen Blick. Einen Blick, wie ihn Überwachungskameras auf unsere Welt haben, der eine latente Bedrohung hinter der Banalität des Alltags vermutet, der eine schmerzhafte Diskrepanz spürbar macht, zwischen unserer Arglosigkeit und unserem Wissen.

Man muss keine Orwellschen Szenarien ausbreiten, um der alltäglichen Begegnung mit der Macht durch visuelle Mittel nachzuspüren. Überwachungskameras sind selbstverständlicher Bestandteil unseres Lebens geworden - nicht immer zu unserem Schaden. Die (früher ideologischen, heute nurmehr ökonomischen) Systeme, deren Architekturen sich bis in die Details unseres Daseins verästeln, sind - das mussten wir in den 90er Jahren lernen - wir selbst.

Eine Distanzierung von der unangenehmen Wirklichkeit wird auf beiden Seiten der Kamera versucht: Flucht durch psychische Ausweichmanöver einerseits, Beherrschung durch technische Kontrolle andererseits. Dass sich die Welt bereits durch die Art, wie wir sie sehen (beobachten, observieren) konkret verändert, ist ein Mechanismus, der in dieser Ausstellung erfahrbar wird.

Die plastischen Arbeiten von Hendrik Spiess legen einen Gebrauch, oder eine konkrete Eigenfunktion nahe. Vermutet man im ersten Augenblick zeitgenössischen Lautsprecherboxen gegenüber zu stehen, entdeckt man bei genauerer Betrachtung, dass die kühl minimalistisch anmutenden Objekte, Sehschlitze, und in kreisrunden Vertiefungen Linsen, oder sogenannte Türspione aufweisen. Während die Sehschlitze an Bunkerausgucke oder Schießscharten denken lassen, verweisen die Linsen auf fotografische Gerätschaften.

Die vewendeten Materialien verstärken hier eine vermutlich observierende, forschende Funktion der ausgestellten Objekte. Die in der Galerie Borchardt gezeigten Arbeiten mit dem Titel "Researcher" wirken in ihrer Formensprache auf den Betrachter bekannt und fremd zugleich.

Die ebenfalls ausgestellten 6 Bildobjekte zeigen kreisförmige Ausschnitte fotografischer Bildwerke, die als Datei aus dem Internet kopiert wurden: Bilder von Straßenkreuzungen, Gebäuden oder Landschaften in verschiedenen Städten weltweit. Von digitalen Kameras produziert, werden sie im Internet teilweise sekündlich aktualisiert, um dort für jedermann zugänglich und benutzbar zu sein.

Spiess zeigt in seinen Arbeiten Ausschnitte einiger dieser Bilder, die durch ihre bullaugenartigen Ausschnitte den Verdacht entstehen lassen, es könnten hier potentielle Tatorte irgendwelcher krimineller Vorgänge eingekreist und festgehalten worden sein. Dem Betrachter fällt dabei die Rolle des Voyeurs zu, er bekommt das Gefühl, eine visuelle Recherche ganz persönlicher Art zu machen.
© s. Impressum



PEDER IBLHER
HENDRIK SPIESS

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Iblher




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