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Seamus Nicolson
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'Entranced'

17.9.98 - 18.10.98

Seamus Nicolsons grossformatige fotografische Zeugnisse einer sich völlig eigenständig entwickelnden Jugendkultur der Metropolen unserer Tage wurden erstmals 1997 auf dem alljährlichen Kunstevent ‘Beck´s New Contemporaries’ im Camden Art Centre vorgestellt und erregten dort spontan grosses Interesse. Anfang ´98 folgte eine sehr erfolgreiche Einzelausstellung in der Londoner Galerie, die sich ganz besonders um junge und vielversprechende britische Künstler bemüht, ‘The Agency Contemporary Art’. Direkt anschliessend wurden einige seiner Arbeiten auf der diesjährigen ‘Art Basel’ einem internationalen, und offensichtlich ebenfalls an junger englischer Kunst interessierten Publikum vorgestellt.

Im Rahmen der Gemeinschafts-Ausstellung für Design und Kunst des stilwerk Hamburg, ‘fish & chips’, wird die Galerie Peter Borchardt vom 17.9.98 bis zum 18.10.98 Arbeiten des Londoner Künstlers Seamus Nicolson vorstellen. Schwerpunktmässig werden großformatige Farb-Fotografien gezeigt, die die kultige ‘rave’ Scene lebensnah abbilden und damit eine ebenso plastische, wie mystifizierende Beschreibung dessen liefern, was sich selbst die älteren Geschwister der Aktiven dieser Bewegung nicht mehr vorstellen können. Wir werden also zu ‘fish & chips’ etwas zeigen, was mit der jungen Londoner Kunst-Scene ebenso unmittelbar zu tun hat, wie mit der dortigen Jugend-Scene. Diese sich neu entwickelnde Bewegung ist authentisch und hat mit dem zu tun, was sich dort an allen Plätzen artikuliert: es ist ein Lebensgefühl, welches sich auf allen Ebenen durchsetzt. Kunst und Leben treten in einen direkten Dialog, bedingen einander und Prägen diese Generation.

Nicolsons Arbeiten sollen wie beliebige Schnappschüsse erscheinen und werden somit zu glaubhaften Zeugnissen scheinbar zufälliger Momente, in denen das Fotomaterial die Einsamkeit und Verlorenheit des Einzelnen inmitten einer großen Schar Gleichgesinnter einfriert. Um den speziellen Eindruck einer nächtlichen Clubscenerie zu erhalten, setzt Nicolson nur sehr subtil und zurückhaltend einige wenige Blitzlichter ein. Seinen Bildern gelingt es, durch die so erzeugte hyperreale Bildsituation den Betrachter selbst an einem sonnigen Nachmittag in eine nächtliche Clubatmosphäre zu versetzen. Durch den gezielten Kontrast von starken Lichtern und Dunkelheit wirken die abgebildeten Personen ebenso artifiziell, wie das gesamte Drumherum.

Die Abgebildeten Personen wirken merkwürdig abwesend und weltvergessen. Sie scheinen sich unbeobachtet zu fühlen, was den Eindruck vermittelt, hier werden höchst persönliche Momente voyeuristisch beobachtet. Entscheidend für diesen beabsichtigten Eindruck ist der Moment des Auslösens. Zum richtigen Verständnis der Fotos ist eine Ahnung von Ort und Umstand der Entstehung besonders wichtig. Damit entspricht Nicolsons Fotografie auch in dieser Hinsicht den besonderen Merkmalen einer Jugendbewegung, wie die ‘rave’ Szene eine ist. Bemerkenswert an Nicolsons Arbeiten ist auch die durch spezielle Techniken erzielte Tiefenwirkung seiner Fotografien, die einerseits Distanz zwischen Betrachter und der portraitierten Person vermittelt, aber gleichzeitig den Wunsch auslöst, näher heranzukommen. Nicolson ist als Person Teil dieser Szene, und als Künstler distanzierter Beobachter.

Die Jugendkultur der großen Städte hat sich in den letzten Jahren sehr internationalisiert. Trotzdem vermitteln Seamus Nicolsons Fotos einen besonderen London-Touch, selbst wenn sie auf der Berliner ‘Love Parade’ entstanden sind. Wahrscheinlich liegt es auch daran, daß er ganz besonders nah dran ist, am Leben dieser Szene.

Seamus Nicolson hat das Royal College of Art 1996 beendet und seitdem an diversen Gruppenausstellungen teilgenommen, u.a. beim UP & CO, New York, in der De Pauw Gallery in Brüssel und auf der Shoreditch Foto Biennale Anfang Mai.

weiterer Text: Seamus Nicolson 'Licht ins Dunkel’ von Aliki Braine



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SEAMUS NICOLSON
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Ausstellung | 05
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