Logo Galerie Borchardt
Galerie Künstler Ausstellungen Aktuell Kataloge Kunst am Bau
Helle Jetzig
 more




'A QUESTION OF TIME'

Helle Jetzig - Malerei auf Schwarz/Weiß Fotografie
13.2. - 19.4.98

Schon bei einem flüchtigen Blick auf die Arbeiten von Helle Jetzig registriert das Auge des Betrachters fotografische Bilder. Es sind fotografische Bilder von Stadtlandschaften. Hochhausschluchten, Häuserfronten mit unendlich erscheinenden Fensterreihen, Straßenszenen und Details lassen unschwer New York als fotografierten Ort erkennen. Aber diese fotografischen Bilder machen nicht den eigentlichen Reiz der Arbeiten aus. Viel mehr faszinieren die leuchtenden Farben, die in keiner Weise die Gegenständlichkeit der Fotos berücksichtigen, und die hochglänzenden Oberflächen, die aber nicht als hermetischer Abschluß erscheinen. Die Bilder weisen eine derartige Tiefenwirkung auf, daß der Betrachter regelrecht in sie hineingezogen wird. Dies verdanken sie einer ganz bestimmten Arbeitsweise, der Arbeitsweise eines Malers, der leidenschaftliches Interesse daran hat, die Möglichkeiten der Malerei bis zum Äußersten auszureizen.

Helle Jetzig bewegt sich mit seiner Arbeit in einem Spannungsfeld zwischen reiner Malerei, die, völlig gegenstandsfrei, nur Farbe und Form verpflichtet ist, und gegenständlicher Fotografie. Er sorgt dafür, daß diese beiden gegensätzlichen Medien zusammengehen, ohne sich gegenseitig aufzuheben.

Seine Tätigkeit ist ein aufwendiger und zeitraubender künstlerischer und handwerklicher Prozess. Schwarz-Weiß-Fotografien, selbstverständlich von eigener Hand aufgenommen, werden in großen Formaten abgezogen und auf kastenförmige Holzuntergründe gebracht. Jeweils zwei Holzkästen mit unterschiedlichen Motiven werden zu einem Bild kombiniert. Dann werden sie in einem wochenlangen Prozess bemalt. In geradezu altmeisterlicher Manier werden dabei zuerst Untergründe aus lasierenden Farben angelegt, dann einzelne lasierende und deckende Farben aus Pigmenten und Lacken in Schichten übereinandergelegt, immer wieder geschliffen und schließlich mit einem Abschlußfirnis aus Lack versehen.

Der Künstler benutzt die Fotovorlagen wie eine Skizze, die nach rein formalen Aspekten gestaltet wird. Er greift in die Fotorealität ein, läßt etwas vor- oder zurücktreten, setzt Lichter, wie es ihm beliebt, schafft formale Zusammenhänge, die der Realität nicht entsprechen und verwendet schließlich sogar Farben, die in der Realität für die Gegenstände des Fotos ungewöhnlich, wenn nicht gar unmöglich sind. Mit deckenden Farben werden außerdem Blöcke, Streifen und andere grafische Muster über die Fotos gelegt. Sie wirken, als würden sie über ihnen im Lack schwimmen.

Es geht Helle Jetzig also offensichtlich nicht um eine fotorealistische Darstellung. Sein inhaltliches Programm ist die Vielschichtigkeit, die auch schon den praktischen Prozess bestimmt. Seine Bilder funktionieren auf verschiedenen Ebenen, sie sind subjektive gestische Malerei, meditative Farbräume und kalkulierte Konstruktionen zugleich. Wie in ihnen zwei unterschiedliche Motive malerisch zu einem Bild werden, so geht es dem Künstler um die Diskussion und Zusammenführung verschiedener Bildwelten. Es ist sein Unbehagen am schönen Schein und Hochglanz unserer verführerischen Medienwelt, das ihn dazu treibt, die Wirklichkeit, die Wahrheit und den Gehalt der verschiedenen Medien zu hinterfragen und im Arbeitsprozess auszuloten.

Die Bilder spiegeln dem aufmerksamen Betrachter diese Auseinandersetzungen zurück. Gegenständlichkeit und Abstraktion, flächiger Farbauftrag und zarte Farbwolken, illusionistische Raumtiefe, kantige Muster, glänzende Oberflächen, stimmungsvolle Bühnenbilder, dokumentarische Abbildungen und reine Malerei finden in ihnen ihr widersprüchliches Miteinander.

(Regina Böker)

© s. Impressum



HELLE JETZIG
................................

Biografie
Ausstellung | 16
Ausstellung | 13
Ausstellung | 10
Ausstellung | 08
Ausstellung | 07
Ausstellung | 05
Ausstellung | 03
Ausstellung | 02
Ausstellung | 01
Ausstellung | 99
Ausstellung | 98
Kataloge