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Rik van Iersel
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'One Way or Another'

Bilder und Zeichnungen
24.4.98 - 16.6.98

Iersel – voll von Figur...

Albrecht Dürer hat einmal gefordert, daß ein guter Maler ‘inwendig voller Figur’ sein soll. Diesem Anspruch wird der 36jährige holländische Künstler in jeder Hinsicht gerecht. Zum bersten gefüllt ist er mit Figur, mit Geschichten die erzählt werden müssen, mit einer Welt von selbstgeschaffenen Zeichen und Symbolen. Sie alle dienen seinem Anliegen, möglichst verbindlich Zustände der Betroffenheit, des Berührtseins zu formulieren und sich damit wohltuend von der umsichgreifenden Unverbindlichkeit abzusetzen. Dabei kommt er mit einer scheinbar naiven Figuration daher, die ebensogut der Bildersprache der Frühzeit des Menschen entsprungen sein könnte, als auch Vergleiche mit Comiczeichnungen provoziert.

Es hat mit einem bestimmten Lebensgefühl, oder besser, mit einer bestimmten Sicht auf die Dinge zu tun, die er mit dem jung verstorbenen New Yorker Künstler Jean-Michel Basquiat teilte. Der Inhalt der Aussage scheint hier eine bestimmte Ausdrucksform zu erzwingen. Eine disparate Welt benötigt keine klassischen Darstellungsebenen, sondern analytischen Tiefgang und ein gewisses gestalterisches Organisationstalent, um die vielfältigen Verknüpfungen und Abhängigkeiten aufzeigen zu können, also das Chaos zu strukturieren.

Auf jeden Fall vermitteln die Arbeiten Rik van Iersels etwas ungemein direktes, unmittelbares. Es gelingt ihm, Saiten in uns anzuschlagen, die wir durch den Lärm des Alltäglichen längst verschüttet glaubten. Er stemmt sich mit aller Kraft gegen die Gleichgültigkeit, indem er ein Spannungsfeld fast antagonistischer Gegensätze schafft. Schroffe, archaische Zeichen stehen herkömmlichen Ausdrucksmitteln gegenüber. Die teils exzentrische Formauflösung findet in konventionell gearbeiteten Ruhezonen ihr Gegenüber. Anarchistisch wird alles aufgemischt und neu kombiniert. Dabei werden Widersprüche durchaus einkalkuliert. Sie schärfen den Blick auf das Wesentliche, und das sind häufig die einfachen Dinge, die Selbstverständlichkeiten, deren tatsächlicher Wert erst schmerzlich erfahren wird, wenn sie fehlen.

Indem Rik van Iersel von sich selbst berichtet, berichtet er auch über uns, und zwar in aller Offenheit. Seinen freien Blick, unverstellt und direkt, verdankt er der Fähigkeit, seinen Arbeiten einen wesentlichen Teil Kindheit bewahrt zu haben. Am besten verkörpert das die Zentralfigur, eine Figur mit weit ausgestreckten Armen. Rik van Iersel legt Wert darauf, daß die Objekte in seinen Arbeiten unbedingt zu Subjekten werden. Der Leichtigkeit seiner Werke steht ein absolut harter Arbeitsprozess gegenüber. Rik van Iersel ist ein manischer Arbeiter! Sein Atelier ähnelt einem alchemistischen Labor, in dem er die heilende Mixtur ausdestilliert, die uns heute oft fehlt.

Rik van Iersel ist Autodidakt. Mit 15 Jahren hat er sein Zuhause verlassen. Mit Freunden, die heute zum Teil bekannte Jazzmusiker sind, hat er musiziert und damit seinen Lebensunterhalt bestritten.

Heute zählt er zu den bemerkenswertesten jungen holländischen Malern und gilt für die Kunstwelt als eine wesentliche Entdeckung der letzten Jahre. Er selbst hatte keine Gelegenheit, ein Kunststudium aufzunehmen. Originellerweise wurde er vom an die diesjährige Sommerakademie "Pentiment" (20.7.98 - 8.8.98) der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg als Gastprofessor berufen.

Im Rahmen unserer Ausstellung ‘One Way or Another’ zeigen wir bis zum 14.6.98 eine dichte und thematisch orientierte Auswahl an Bildern, Zeichnungen, Collagen, Holzobjekten und Bronze-Skulpturen.

Zur Eröffnung der Ausstellung hat Rik van Iersel (dr) zusammen mit Ad Pijnenburg (sax, "The Six Winds") ein kleines Konzert ‘Freie Musik’ gegeben.

© s. Impressum



RIK VAN IERSEL
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