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Johannes Speder
 




'Take Your Favourite'

Skulpturen, Fetischtische, Bilder
29.8. - 19.10.97


SKULPTUREN
Klasse aus Masse


Aus einem Wald von monumentalen Köpfen mit Segelohren soll man sich seinen Liebling aussuchen. "Take Your Favourite" fordert die Hamburger Ausstellung des Bildhauers und Malers Johannes Speder.

Wo Johannes Speder arbeitet, fliegen Späne. Mit der Kettensäge hat er wie im Akkord 40 Schädel aus Pappelholz herausgeschält. Der größte ist 2,40 Meter hoch und 200 Kilo schwer. Zu einer ungewöhnlichen Ausstellung arrangiert der Österreicher die mit Pigmenten eingeriebenen und gewachsten Köpfe seit Freitag für vier Tage im Foyer des Hamburger Stilwerks.

Die Besucher sollen sich die Kopf-Skulpturen nicht nur anschauen. TAKE YOUR FAVOURITE fordert auf, eine Auswahl für einen Lieblingstypen zu treffen und sich dann mit ihm zusammen mit einer Polaroidkamera fotografieren zu lassen. Das Foto dürfen die Besucher behalten. So wird die Kunst in den privaten Bereich transportiert und es entsteht eine Art dezentraler Katalog, indem die Kunst aus dem Ausstellungsraum herauskommt.

Ja, welchen soll man nehmen: Vielleicht den knallroten mit der kräftigen Nase und den Segelohren? Oder jenen schwarzen schmalen Typ mit dem leicht geöffneten Mund, der Charles de Gaulle oder auch Onkel Franz sein könnte - und verdächtig an Giacometti erinnert?

Johannes Speder studierte bei Alfred Hrdlicka in Wien und Michelangelo Pistoletto, dem auf der Documenta X eine zentrale Rolle zukommt. Für beide hat er auch gearbeitet, Skulpturen gebaut, in Kirchen restauriert. Den eigenen Weg sucht der 32jährige Speder zwischen den beiden Polen seiner Lehrer: Skulptur und Konzept. Und das mit einem Augenzwinkern in Richtung auf seinen Wald von Köpfen: "Ich möchte doch herausfinden, wann Quantität in Qualität umschlägt", sagt er.

Zusätzlich und bis zum Oktober sind in der Galerie Peter Borchardt Fetisch-Tische, Virenbilder und tomographische Porträts zu sehen. Die Tische, ebenfalls mit aufgesetzten Köpfen und Skulpturen, haben geheime kleine Aussparungen, in die man eine Haarlocke, einen Ring, ein durchgebrochenes Streichholz oder ein anderes magisches Objekt verstecken und wirken lassen kann. Die Bilder von Johannes Speder sind die malerische Umsetzung von elektronenmikroskopischen Schnitten durch Aids-, Herpes-, Ebola-Viren und der gemeinen Spanischen Grippe. Sie sind in mancher Hinsicht gefährlich schön.

Claudia Herstatt (Für Spiegel-Online, September 1997)

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JOHANNES SPEDER
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